Interview mit Klaus-Dieter Heber, Vorsitzender des Vereins "Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland Nordhausen e.V."
Thema: Standortverlagerung des stationären Kinderhospizes von Nordhausen nach Tambach Dietharz
geführt von Reiner Hellberg im August 2008
Der neue Standort für das geplante Kinderhospiz wird nicht Nordhausen sondern Tambach-Dietharz sein. Warum wurde diese Entscheidung getroffen?
„Wir haben bis zum August 2007 niemals am Standort Nordhausen gezweifelt. Aber wir haben ein Angebot aus Tambach-Dietharz erhalten, dass man nach einer sachlichen Prüfung nicht ablehnen konnte. Besser gesagt, nicht hätte ablehnen dürfen. Dort haben wir die Immobilie der ehemaligen Thüringer Talsperrenverwaltung in einem Top-Zustand erworben. Im Sinne der Sache, in der Verpflichtung aller Spender, aber insbesondere im Namen der betroffenen Kinder und Familien mußten wir diese außergewöhnliche Option prüfen und haben für Tambach-Dietharz entschieden.“
Wie ist der Stand der Dinge zurzeit und welche Vorteile hat die Standortverlagerung nach Tambach-Dietharz?
„Derzeit haben wir, innerhalb von knapp 3 Jahren, einen Spendenstand von knapp 1,75 Mio. Euro aus Sach- und Finanzzusagen erreicht. Das entspricht ca. 60 % der für einen Baubeginn in Nordhausen benötigten Summe. Auf Grund des soliden Ist-Bestandes der Gebäudestukturen gehen wir nun von geringeren Invenstitionskosten gegenüber einen Bau in Nordhausen aus. Auch werden die Baukosten im Vergleich zum zuerst geplanten Neubau in Nordhausen durch den Um- und Ausbau des bestehenden Objektes in Tambach-Dietharz, nach Aussage unserer Architekten, bei gleicher oder besserer Qualität gesenkt.“
Was bedeutet diese Neuorientierung für die betroffenen Familien und gibt es dann trotzdem eine Hilfe in und um Nordhausen?
„Für die betroffenen Familien bedeutet das sehr viel Positives. Fast täglich erreichen uns Anfragen von betroffenen Eltern und behandelnden Ärzten, ob wir schon helfen können. Derzeit können wir das bereits ambulant, d.h. wir bieten psychologische Fachberatung an oder können an andere Kinderhospize wie z. B. nach Berlin die Anfragen weiterleiten. Außerdem bildeten wir 12 ehrenamtliche Familienbegleiter aus, die in und um Nordhausen ihre Arbeit aufgenommen haben.“
Einige Nordhäuser sind traurig über die Option, in Tambach-Dietharz zu bauen. Was entgegnen Sie Kritikern?
„Ich bin selbst Nordhäuser und wohne nur einen Steinwurf von unserem ersten Planungsobjekt in Krimderode entfernt. Es war eine schwierige Entscheidung. Aber diese wurde gemeinsam mit allen Mitgliedern besprochen und auch einstimmig durch diese bestätigt. Für mich, als Verantwortungsträger darf nur die Sache selbst im Vordergrund stehen und die Hilfe für die betroffenen Familien. Das persönliche Interesse muss an dieser Stelle zurückstehen. Das Kinderhospiz war und ist keine Einrichtung ausschließlich für Nordhäuser Betroffene, deshalb ist die geografische Lage des Hauses selbst nicht so wichtig. Vielmehr zählen die Situation, das Flair und die regionalen Gegebenheiten für die Betroffenen .“
Viele Menschen rund um Nordhausen haben sich für das Kinderhospiz eingesetzt. Schulen, Vereine, Unternehmen und Privatpersonen haben sich engagiert. Können Sie verstehen, dass es dort Enttäuschung gibt?
„Natürlich verstehe ich das! Wir haben auch aus unserer Region tolle Unterstützung bekommen, von Unternehmen oder Privatpersonen. Beeindruckende Spendenideen wurden dabei umgesetzt. Ganz besonders das Engagement von Kindern möchte ich dabei hervorheben, was für uns immer etwas ganz Besonderes ist. Hier kann ich nur Allen danken die bisher geholfen haben und auch hoffentlich weiter helfen werden. Jetzt haben wir die glückliche Situation, dass unsere wichtige Hilfe besser und schneller greifen kann. Im Wissen um die Beweggründe der vielen Spender, dass mit ihrer Hilfe eine Unterstützung für die Betroffenen im gesamten mitteldeutschen Raum entstehen soll, kommt die Unterstützung zeitnah genau da an, wo sie gebraucht wird, nämlich bei den betroffenen Familien selbst. Ich gehe vor diesem Hintergrund von einer breiten Zustimmung aller Spender aus.“
Wie reagieren Sie auf die Kritik aus dem Nordhäuser Stadtrat und einem Unternehmer aus Nordhausen.
„Unser Verein steht Kritik immer offen gegenüber, soweit diese sachlich und für unsere Sache förderlich ist. Dann wird diese geprüft, gegebenenfalls angenommen und entsprechend gehandelt. Wie auch immer diese unsachlichen Äußerungen motiviert sind, schaden sie weiterhin der guten Sache und damit insbesondere den betroffenen Familien. Uns werden diese Meinungsäußerungen aber nicht daran hindern, weiter erfolgreich zu arbeiten.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
„Ich wünsche mir, dass alle Bürgerinnen und Bürger Mitteldeutschlands, weiterhin mit sprichwörtlich offenem Herzen unserem Projekt gegenüberstehen und sich damit identifizieren. Aber ebenso, dass wir schon in naher Zukunft, die ersten Gäste in unserer Herberge des Lebens aufnehmen können. Dafür werden wir kämpfen.“
Danke für das Gespräch. Reiner Hellberg








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